Was Sie über Voice over IP wissen sollten

Wörtlich übersetzt: Sprache über das Internet-Protokoll. Gemeint ist ein Verfahren, bei dem Sprache in Bits und Bytes umgewandelt wird und als Datenpakete von einem Gesprächspartner zum anderen übertragen wird.
Früher wurden zwischen zwei Teilnehmern eine direkte Verbindung über Kupfer  geschaltet. Dabei war jedem Gespräch seine Leitung vorbehalten. Das änderte sich auch nicht durch Mehrfachausnutzung eines Verbindungswegs durch analoge Trägerfrequenzverfahren oder Digitalisierung der Signale.  Man spricht nun von da an nicht mehr von einer Leitung, sondern von  einem `Kanal´ zwischen den beiden Teilnehmern.

Mit Einführung des digitalen Datenverkehrs wurde ein anderes Übertragungsverfahren publik.

Man zerlegt eine Datenmenge in mehrere kleine Pakete, von denen jedes eine Art Adressaufkleber bekommt – mit Absender, Zielanschrift, Größe des Inhaltes, laufende Nummer und einiges mehr. Nun ist es egal über welchen Weg die Daten ans Ziel finden. Es ist auch egal, ob Paket 3 vor Paket 5 ankommt. Durch den Rechner am Ziel wird alles wieder in die richtige Reihenfolge gebracht und dem  Empfänger – sobald vollständig und fehlerfrei übertragen – zur Verfügung gestellt.

Man löste sich also von der relativ  starren Leitungsvermittlung (ob nun manuell, wie oben zu sehen, oder im automatischen Selbstwählverkehr, wie heute üblich) und geht zur so  genannten Paketvermittlung über.

Es lag nicht fern, dasselbe Verfahren für Sprache anzuwenden. Zuerst wird diese digitalisiert, in Datenpakete verpackt und auf den Weg geschickt ! Das Problem: Der Empfänger will  sich in Echtzeit mit dem Absender unterhalten. Ein Sprachdatenpaket darf also nie mal eben€ geparkt werden, um dann als letztes auf der  Gegenseite anzukommen. Man würde sich nicht verstehen.

In der Zukunft werden alle Firmen und  sicher auch viele Privathaushalte ständig mit dem Internet in Verbindung stehen und darüber die komplette Kommunikation abwickeln – miteinander  sprechen, sich dabei sehen, Videos ansehen, Musik hören und auch  gemeinsam im und über das Netz arbeiten. Durch die weite Verbreitung von DSL ist dies in den letzten Jahren schon für einige Unternehmen Wirklichkeit geworden.

Voice over IP (VoIP) ist aber nach wie vor in der Entwicklung. Vor allem Verbindungen über das Internet unterliegen Qualitätsverlusten und Sicherheitsrisiken. Erst mit der  Einführung des neuen Internetprotokolls IPv6, welches es möglich macht  Sprachpakete bevorzugt zu behandeln, wird die Dienstgüte (Quality of  Service, QoS) für die Sprachkommunikation über Internet geboten. Für Viele lohnt sich aber schon jetzt der Umstieg oder Einstieg in VoIP.

Man kann bei der IP-Telefonie zwischen zwei Arten unterscheiden. Sie können unabhänig von einander Anwendung finden oder zusammen.

Die Erste wird als LAN-Telefonie bezeichnet. Das Hausnetz eines Unternehmens bestand bisher aus zwei Teilen, dem Telekommunikationsnetz und dem Datennetz. Diese können zu  einem einzigen Netz verschmolzen werden, indem man die interne Telekommunikation mittels VoIP abwickelt. Dadurch werden auf lange Sicht Ressourcen und Kosten gespart.

Allerdings ist es nötig die Telekommunikationstechnik umzustellen. Man benötigt IP-Telefone mit speziellen Funktionen. Und es wird ein gut ausgebautes Datennetz benötigt, welches gleichzeitigen Daten-und Sprachverkehr bewältigen  kann. Für die Vermittlung und die Leistungsmerkmale ist dann ein Telefonie-Server oder eine IP-Telefonanlage zuständig. Die Verbindung  von IP-Netz und Festnetz wird durch ein so genanntes Gateway ermöglicht. Ein IP-Apparat im Hausnetz kann also aus dem Festnetz heraus angerufen  werden und umgekehrt.

Die Verwaltung eines solchen Netzes wird  denkbar einfach über ein Browser-Interface realisiert. Mitarbeitern  werden statt Rufnummern IP-Adressen zugeordnet, diese sind mit einem  Login und einem Passwort verknüpft. So kann man ohne Probleme den  Arbeitsplatz wechseln und ist immer noch unter der selben Nummer  erreichbar. Die Verknüpfung von PC-Anwendungen und Telefonie wird stark  vereinfacht und schafft neue Möglichkeiten für ein Unternehmen.

Die Zweite Art der IP-Telefonie ist die eigentliche Internet-Telefonie. Hierbei telefoniert man nicht mehr über das Festnetz des lokalen Netzbetreibers sondern über das Internet. Durch Internet-Telefonie kann man Kosten sparen, aber es gibt auch einige Dinge die man sich vorher überlegen sollte :

Prinzipiell gilt: Je größer die  Bandbreite des Internetzugangs, desto mehr gleichzeitige Gespräche sind möglich. Bei asymmetrischen DSL-Anschlüssen (ADSL) ist der ‚Upstream‘  die Engstelle, um ein Gespräch zu führen sollte er etwa bei 100 kbit/s  liegen. Zum Vergleich – ein T-DSL 2000 Anschluss verfügt über max. 192  kbit/s Upstream, was also maximal 2 gleichzeitig geführte Gespräche bei  guter Qualität zulässt. Dennoch kann es vorkommen, dass die  Gesprächsqualität bei starker Netzbelastung sinkt, davor ist man noch  nicht sicher. Man sollte auch den normalen Datenstrom aus bzw. in das  Internet beachten, der beim Surfen entsteht. Kaum Bedenken braucht man  bei einem symmetrischen DSL-Anschluss (SDSL) haben, da hier Up- und  Downstream gleich hoch sind. Solche Anschlüsse verursachen allerdings  hohe Kosten. Internet-Telefonie per Modem oder ISDN ist nicht ratsam.

Um über das Internet zu telefonieren braucht man einen Account bei einem VoIP-Anbieter. Die Zahl der VoIP-Anbieter in Deutschland ist in letzten Jahren stark gestiegen. Es  stehen viele Tarife zur Auswahl, einige sind nur für private Anwender gedacht und andere sind an einen DSL-Anschluss geknüpft. Man sollte auf jeden Fall die Tarife vergleichen und den besten für seine Zwecke  auswählen.

 

Analoge Telefone

Man kann nach wie vor analoge Telefone benutzen, nur muss man mittels eines analogen Telefonadapters (ATA) die analogen Signale des Telefons in digitale Signale umwandeln und umgekehrt. So können sie über ein DSL-Modem gesendet werden.

IP-Telefone

IP-Telefone werden über einen Router mit dem Internet verbunden.

Softphone

Natürlich kann man auch mit dem PC über das Internet telefonieren. Man benötigt dafür eine spezielle Software, auch Softphone genannt. Zusätzlich ist eine Headset zu empfehlen, welches die Gesprächsqualität und den Komfort erhöht

Smartphone

Sie können das Smartphone als Nebenstelle in die Telefonie einbinden. Man benötigt dafür nur eine App und entsprechende Lizenzen, die in der Telefonanlage hinterlegt werden.

Unternehmen müssen entscheiden ob die gesamte Telefonie über das Internet abgewickelt werden soll oder etwa nur die einzelner Mitarbeiter. Bei Gesprächen ins Ausland macht dies gegebenenfalls Sinn. Stets müssen Aufwand und Nutzen abgewogen werden. Internet-Telefonie lässt sich aber prinzipiell auch ohne LAN-Telefonie nutzen, es muss nur für die nötigen Schnittstellen gesorgt werden.

Wenn zwei Standorte durch IP-Vernetzung verbunden sind, kann ein Virtuelles  Privates Netzwerk (VPN) eingerichtet werden. Durch VPN lassen sich  Unternehmensteile oder Mitarbeiter sicher über das Internet vernetzen.  Sie bieten die Möglichkeit von überall her an der Firmen internen Kommunikation teilzunehmen.

Für die Vernetzung mehrerer Standorte  eines Unternehmens standen bislang im wesentlichen ISDN-, Analog- und  Richtfunkfestverbindungen zur Auswahl.

Neue Möglichkeiten eröffnen sich durch  Anwendung einer IP-Vernetzung. Wenn keine kostenintensive ‚Standleitung‘ zwischen den zwei Standorten eines Unternehmens existiert, muss man den Weg durch das Internet gehen. Ein VPN-Tunnel ermöglicht trotzdem eine sichere Kommunikation. Über diesen Kanal können nun Mitarbeiter der beiden Standorte miteinander Telefonieren, Daten austauschen und  gemeinsam an einen PC arbeiten, so als wären sie im gleichen Bürogebäude. Vorrausgesetzt die beiden Heimnetze sind IP-Telefoniefähig.

Um die  Dienstgüte (QoS) sicherzustellen ist natürlich auf beiden Seiten für einen Internetzugang mit ausreichender Bandbreite zu sorgen.

Diese Lösung ist wegen der niedrigen Anforderungen an die verfügbare Bandbreite schon seit einiger Zeit verfügbar.

Der Mitarbeiter in seinem Home-Office  kann sich wie in der Firma fühlen. Er hat an seinen Arbeitsplatz nicht  nur die die vollständige Wiederspiegelung seines betrieblichen  Kommunikationsumfeldes (inkl. aller Leistungsmerkmale), sondern auch das heute übliche Werkzeug – seinen PC.

PIMphony IP Edition (wie im Bild zu sehen) ist eine CTI-Software zur Verbesserung des Kommunikationsmanagements.

Hat ein Unternehmen sich erst einmal für eine IP-Lösung entschieden, sind  auch solche Anwendungen denkbar. Ein Mitarbeiter kann sich von einem  Hotel aus in das Unternehmensnetz einwählen und sich über das  Kommunikationsgeschehen an seinem betrieblichen Arbeitsplatz  informieren. Mittels Multimedia-Laptop kann er Sprachnachrichten  abfragen und kostengünstig telefonieren.